
Dieser Sommer ist schwer auszuhalten – nicht nur im Hinblick auf die Hitze, sondern natürlich auch im Hinblick auf die dramatischen Entwicklungen, um uns herum. Die Natur leidet immens. Ich möchte gar nicht so viel dazu schreiben – jede/r sieht es selbst…
Ich frage mich, was ist nur los mit uns Menschen? Wie kann und konnte das passieren?
Was hat Yoga damit zu tun? Kann Yoga helfen?
Yoga kann viel – viel Gutes als auch Schlechtes – so wie alles. Es ist immer nur die Frage, welcher Qualität wende ich mich zu und mit welcher Absicht mache ich etwas.
Ich muss ein wenig ausholen und möchte die Frage in den Raum stellen: wie gehen wir eigentlich mit und selbst um und spiegelt das nicht die Art wider, wie wir mit der Erde umgehen?
Unsere Welt ist voll mit Selbstoptimierung, Verbesserungen und Ausmerzen dessen, was einem nicht gefällt. Ist der Körper und mein Umfeld nicht so, wie ich es will, dann wird es weg operiert/weg gespritzt, abgerissen, umgestaltet – eben passend gemacht.
Akzeptanz fällt mir schwer – sehr. Ich bin auch schnell in der Dynamik verändern zu wollen und Einfluss zu nehmen.
Ist das falsch? Ist das richtig? Nun, ich glaube, es kann beides sein und stellt einen Aspekt auf die Frage dar, warum es ist, wie es ist.
Bevor ich weiter mache, muss ich ein Bild vorstellen, welches mir immer sehr hilft.
Leben ist wie ein Garten: jede/r hat einen bestimmten Standort, Gegebenheiten, ist an einer bestimmten Stelle in der Welt und damit auch in einer Klimazone, dort sind vorhandene Pflanzen, und eine bestimmte Bodenbeschaffenheit…. Kurz: es gibt VIELES, was gegeben ist und VIELES, auf das ich keinen Einfluss habe.
Gleichzeitig ist auch viel Gestaltungsmöglichkeit: ich kann pflanzen, verändern, gestalten. Ich kann diesen Ort in einem Garten verwandeln, der sein Potenzial entfaltet und den ich darin unterstütze, zu gedeihen und zu blühen und Frucht zu bringen.
Um dies auf uns Menschen zu übertragen: wir leben in einem bestimmten Set-up, wurden in einen Kontext geboren und leben in diesem und auch unser Körper hat bestimmte Dispositionen.
Gleichzeitig kann ich „gärtnern“ und Veränderungen vornehmen.
Zurück zum Garten.
Ein „guter Gärtner“ erkennt die Qualität dessen, was gegeben ist. Das ist der Garten, den er/sie bestellen kann. Dieser Garten wird dann Frucht und Fülle entfalten wenn:
- unter vollkommener Berücksichtigung und Akzeptanz der Umstände und den Bedürfnissen dieses Ortes gegärtnert wird und
- der/die Gärtner/in sich fortwährend kümmert, den Boden bestellt, hackt und pflanzt, jätet und Achtsamkeit und Fürsorge walten lässt.
Es braucht also beides: tiefe Akzeptanz UND die Bereitschaft zu arbeiten.
Der Fehler ist nur oft, dass wir 1. und 2. miteinander verwechseln – arbeiten, wenn Akzeptanz nötig wäre oder nichts tun, obwohl Gestaltungsraum da wäre.
Was hat das nun mit Yoga zu tun?
Nun, ich kann mich bewegen, Sport treiben, Yoga praktizieren oder was auch immer tun mit der Absicht „ein anderer Ort zu werden“. Ich kann mich zwingen, Grenzen mit Härte und Gewalt überwinden, nieder walzen und verlangen.
Meines Erachtens würde das den Ort und seine Gegebenheiten missachten und den Ort einfach nur benutzen. Das ist zerstörerisch und missachtend.
Dies spiegelt sich für mich darin wider, wenn wir unsere Natur verleugnen, „Krieg gegen uns führen“, verlangen, benutzen, ausnutzen, haben wollen, Besitz ergreifen und herrschen wollen.
Das können wir bei uns ausleben, in der inneren Begegnung zu uns selbst als auch im Umgang mit der Natur und unserer Umwelt.
Oder wir sind in tiefer Verbundenheit und Akzeptanz zu dem was ist und erkennen den Gestaltungsraum an, den wir haben.
JA, ich kann mich heraus fordern, mir beibringen „durch zu halten“ – aber nicht um mich zu beherrschen, sondern um die Ausdauer aufzubringen, gewisse „Unkräuter“ zu jäten und die Kraft und den Willen aufzubringen, den Boden zu bestellen.
Ich komme immer wieder mit Bildern aus dem Garten – vielleicht liegt es daran, dass wir selber auf einem sehr großen Grundstück in der Natur leben und ich einen Garten bestelle. Es ist oft mühsam und harte Arbeit. Der Garten macht sich wahrlich nicht von selbst.
Aber wenn man sich kümmert, den Rhythmen des Gartens folgt und in Verbindung geht, sich helfen lässt, von dem was da ist und Raum für die Natur schafft, dann entfaltet er Schönheit, Frucht und Fülle.
Ein guter Gärtner nutzt nicht aus – er/sie weiß darum, dass bestimmte Ressourcen da sind und ein Nutzen von „mehr“ schädlich wäre.
Eine gute Gärtnerin ist in Verbundenheit und Einheit und genießt die Fülle und die Farben, die Lebendigkeit des Ortes und seine Früchte – und erfährt sich als Teil davon.
Das bringt mich zurück zum Yoga.
Kann uns diese Praxis vermitteln, in Freude und Dankbarkeit in uns zu sein, in tiefer Akzeptanz zu dem Garten meines Selbst und meines Lebens als auch in der Bereitschaft verantwortungsvoll gestaltend Anteil zu nehmen?
Kann uns Yoga begreifbar machen, dass wir „Teil sind von etwas“- nicht nur ein Besucher/ein externer Gast, sondern eingewoben in das Netz von Schöpfungskraft?
Kann uns das Leben lehren, dass wir immer in Verbindung sind, das Eine atmen, in diesem „wie Fische im Wasser schwimmen“ ? Können wir lernen, das Dasein zu lieben? Dazu gehört auch der Ausdruck meines Selbst.
Sind wir in leibender Verbindung, machen wir automatisch „das Richtige“. Wir wollen das, was wir lieben, achten, ehren, ihm helfen zu gedeihen und sich zu entwickeln als auch erlauben, seinen Rhythmus zu entfalten. Wir unterstützen – nicht, damit es „besser“ wird in Hinblick auf ein „äußeres Besser“ – sondern, um es am Blühen und organischem Wachsen zu unterstützen.
Ich glaube, wir müssen lieben lernen.
Der eine findet das Eine durch Yoga, der andere beim Gärtnern, die andere bei der Besteigung von Bergen und wieder jemand beim Tauchen, der andere in Musik, im Tanz, in Kunst… Das Eine ist immer da und spricht fortwährend die Einladung aus, mit ihr in Verbindung zu gehen.
Sich dem Dasein/der Schöpfung/Natur hinzugeben, das Selbst anzuvertrauen und in diesem aufzugehen, ist vielleicht die größte Verbindung, die erfahrbar ist.
Hingabe ist kein „sich aufgeben“ – es ist, glaube ich, die größte Kraft die wir – in dem wir uns mit dem Großen verbinden- erfahren können.
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